Halbzeit in Nicaragua…

Halbzeit! Ein halbes Jahr lebe ich nun schon in Nicaragua und ein weiteres halbes Jahr steht mir noch bevor. Bereits nach etwa einem Monat hat sich so allmählich der Alltag eingeschlichen. Montags, Mittwochs und Freitags arbeite ich zusammen mit Carolina, einer nicaraguanischen Freiwilligen, in der Kindertafel. Die Arbeit besteht darin, Lebensmittel zu kaufen und zu kochen, das Essen an die Kinder zu verteilen, ihnen zu sagen, dass sie ihre Hände vor dem Essen waschen und nach dem Essen Zähne putzen sollen.

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Zur Tafel kommen etwa 16 auserwählte Kinder, die in der Nähe in Armenvierteln leben. Als die Tafel gegründet wurde, sind unsere Arbeitskollegen mit einer Waage durch die Straßen extrem armer Viertel von Haus zu Haus gegangen und haben die Kinder gewogen. Alle untergewichtigen Kinder bis zum Alter von 13 Jahren wurden eingeladen in der Tafel zu Mittag zu essen, um ihnen eine gesunde Entwicklung durch nährreiches, gesundes Essen zu ermöglichen.

Bei Hausbesuchen wurde ich Zeuge von den extrem armen und schwierigen Verhältnissen, in denen die Menschen dort teilweise leben. Einige unserer Kinder leben in selbstgebastelten Häusern aus Pappkartons und Plastiktüten und bekommen in ihrer Familie nicht die Aufmerksamkeit und Zuneigung, wie die Kinder in Deutschland im Normalfall bekommen. Einige Eltern lassen ihre Kinder teilweise verwahrlosen und schicken sie auf die Straße zum Arbeiten statt zur Schule. Es fehlt oftmals das Bewusstsein dafür, wie wichtig Bildung ist, was dazu führt, dass die Kinder später einmal vermutlich ein ähnliches Leben führen werden und ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. Um diesem traurigen, ewigen Kreislauf zu durchbrechen, versuchen wir alles, damit die Kinder zur Schule gehen. Es gibt allerdings auch Kinder die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen können, da sie Fahrtkosten oder Schulmaterialien nicht zahlen können. Als ich das alles hier gesehen habe, musste ich daran denken, wie sehr ich mich immer beschwert habe, weil wir gezwungen werden in die Schule zu gehen. „Wer braucht schon Mathe im späteren Leben und wieso muss ich Englisch lernen; ich lebe in Deutschland!!?“  Wir bezeichnen es als SchulPFLICHT, die Menschen hier bezeichnen es als Luxus. Ich muss leider sagen, dass man dieses Bildungsdefizit im alltäglichen Leben sehr deutlich spürt.

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Ein weltwärts-Freiwilliger ist hier sogar zum „Professor“ geworden. Er hat zwei Jahre lang Biologie in Deutschland studiert und unterrichtet jetzt in einer Universität in Leon (=beliebte u 2. größte Studentenstadt). Er sagte, dass die Studenten im dritten Lehrjahr auf dem gleichen Wissenstand sind, wie wir in der 11.-12. Klasse. Was mich aber am meisten zum Nachdenken gebracht hat bezüglich dieses Themas, war ein Gespräch mit einem Bewohner der Isla de Ometepe. (Die isla de Ometepe ist eine beliebte Touristeninsel im Nicaraguasee). Eine Freundin und ich haben dort Urlaub gemacht, es hat sich allerdings als sehr schwierig erwiesen von A nach B zukommen, wegen der schlecht ausgebauten Straßen und der zwar angekündigten aber niemals erscheinenden Busse. Deshalb sind wir dann per Anhalter gefahren. Der junge Mann, der uns mitgenommen hat, Raul heißt er, hat uns nicht nur den Arsch gerettet, als wir allein auf der verlassenen Straße standen, sondern auch einiges über die Insel erzählt. Er erzählte, dass es keine einzige Universität auf der Insel gibt und dass man, um studieren zu können, jeden Tag ca 2 std (einfacher Weg) mit der Fähre fahren müsste. Zum einen ist das ein unglaublicher finanzieller Aufwand und zum anderen gibt es Menschen, die die Insel noch nie in ihrem Leben verlassen haben und Angst davor haben, was man ihnen auch teilweise angemerkt hat. Die Menschen dort waren sehr zurückgezogen und etwas hinterweltlär-mäßig. (Das ist nicht böse gemeint!!!). Außerdem hat uns unser Retter erzählt, wie gerne er Englisch lernen würde, aber es wird auf der Insel kein Englischkurs angeboten. Es ist ziemlich traurig, dass Bildung ein limitiertes Luxusgut für Privilegierte ist, da sie der Ursprung der Lösung wäre, um aus der Armut herauszukommen.

Mir hatte mal ein Einwohner erzählt, dass der Präsident das Bildungsniveau absichtlich so niedrig hält, damit die Menschen nicht anfangen seine Methoden zu hinterfragen und zu verstehen, dass seine, unter dem Deckmantel der Demokratie repräsentierte Regierungsform, so gar keine Demokratie ist. Wenn man mich fragt, ich würde das so unterschreiben.

Zurück zum Thema Arbeit. Neben den Kindertafeln, halten wir Vorträge an Schulen über die Umwelt und über Sexualaufklärung. Allerdings macht uns die Kirche wegen des zweiten Themenfeldes oftmals das Leben schwer , da sie in ihrem konservativen Glauben immer noch der Überzeugung sind, dass Verhütungsmittel verboten werden sollten, weil die Christen ja sowieso erst nach der Ehe Sex haben und sich dann fortpflanzen sollen. Es bleibt demnach rätselhalft, wo die ganzen 14-jährigen Schwangeren herkommen, die weder finanziell dazu in der Lage sind ein Kind zu unterhalten, noch die notwendige Reife besitzen, um ein Kind großzuziehen. Es wird lieber dabei zugesehen, wie diese Mädchen ihr eigenes Leben ruinieren, sowie das ihrer Kinder, statt über dieses Tabuthema zu sprechen. Mal ganz von der hohen Aidsrate abgesehen… Dass die Pfarrer dort, der Realität nicht ins Auge sehen wollen, ist eine Sache, die andere ist, dass sie den bedingungslosen Gottesglauben der armen Menschen, die nicht viel mehr als ihren Glauben und Hoffnung auf Besserung durch Gottes Wunder haben, ausnutzen und ihren persönlichen Vorteil daraus ziehen. Es gab beispielsweise einen Fall, bei dem der Pfarrer erzählt hat, dass Gott zu ihm gesprochen hätte und ihm sagte er solle sich doch ein Auto kaufen, was die Gemeinde dazu bewegt hat, dieses für den Pfarrer durch Spenden zu finanzieren.

Die Arbeit im Bereich Bildung beinhaltet, neben der Vorträge an Schulen, Deutsch- und Englischunterricht, sowie einen Lese- und Schreibkurs, der zwei mal die Woche von meiner Mitfreiwilligen und mir gegeben wird. Dieser „Nachhilfekurs“ wurde erst vor kurzem gegründet, da uns aufgefallen ist, dass einige Kinder, die eig schon lesen und schreiben können sollten, es nicht tun oder nur sehr schlecht.

Last but not least möchte ich mich herzlichst bei allen lieben Menschen bedanken, die gespendet haben. Durch sie wird unsere Arbeit erst möglich gemacht und somit tragen sie alle einen Teil zur Verbesserung der Situation bei. Geschichte wird nicht innerhalb von einem Tag geschrieben, genauso wenig  ist es möglich ein Entwicklungsland von heute auf morgen aus der Armut zu befreien, aber jeder Einzelne von uns kann etwas dazu beitragen, um dem Ziel Stück für Stück etwas näher zu kommen. Ebenfalls ein riesiges Danke an Herrn Pelz, der -ich weiß nicht wie- eine unglaubliche Summe an Spenden zsm bekommen hat und auch ein Dankeschön an alle anderen Mitarbeiter des SJH, die mich hier unterstützen.

Eure Alexandra

 

Bitte um Spenden für mein Projekt

 

Hallo, mein Name ist Alexandra Held,
ich bin 20 Jahre alt und habe gerade mein Abitur gemacht. Ich habe selbst ca. drei Jahre im St. Josephshaus  gelebt und dort Hilfe und Unterstützung erfahren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig eine helfende Hand in schwierigen Lebenssituationen ist. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, Kindern zu helfen, die nicht das Glück haben, in stabilen sozialen Verhältnissen aufzuwachsen.

Seit August 2014 bin ich für ein Jahr in Nicaragua und absolviere dort einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst. Meine Aufgabe ist es, bei der Gesundheitsberatung und Aufklärung von Kindern und Jugendlichen mitzuhelfen. Dies geschieht zum Beispiel durch Vorträge und Diskussionen in Schulen. Außerdem wirke ich bei der Gründung von Jugendclubs zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung mit. Die Kinder und Jugendlichen sollen zum Beispiel durch Sport-, Tanz- und Musikprojekte vor Drogen- und Alkoholmissbrauch geschützt werden.

Ich bin schon sehr gespannt, was mich in dem fremden Land erwarten wird und hoffe, dass ich dort etwas Gutes für die Kinder bewirken kann.
Über Spenden zur Finanzierung meines Auslandsjahres (von der Entsendeorganisation sind 210 Euro monatlich erwünscht) würde ich mich sehr freuen.

 
Spendenkonto: St.Josephhaus Kinder- und Jugendhilfezentrum
IBAN: DE60370601934002012044
Stichwort: Alexandra in Nicaragua
 
HIER ->->-> können  Sie mich mit einer Online-Spende unterstützen.

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September 2014: die Arbeit beginnt

La „septima“ feria de carreras (= die siebte Ausbildungsmesse)

Das ist der Infotisch unserer Organisation, der asociacion huellas juveniles ( =junge Fußspuren). Wir haben für die Schüler Infomaterial zum Thema häusliche Gewalt, Gewalt gegenüber Frauen, Menschenrechte oder Aids bereit gestellt.

 

Außerdem haben wir gezeigt, wie man ein Kondom richtig verwendet und was hierbei alles zu beachten ist. Mit dem Thema Sexualität hier nicht so offen umgegangen, wie wir das in Deutschland kennen.

Die Ausbildungsmesse ist primär für Schulabgänger vorgesehen, um ihnen zu zeigen was sie für Möglichkeiten nach dem Schulabschluss haben. Deshalb haben sich viele Universitäten aus der Umgebung versammelt, um sich selbst und ihre Angebote vorzustellen.

Annika, die andere Freiwillige in Corinto, und ich haben das Glück, mit vielen Jugendlichen zusammen zu arbeiten, die auch in ihrer Freizeit viel mit uns unternehmen.

Beste Grüße

Alexandra

 

AUGUST 2014: Abflug ins Ungewisse

Hola de Nicaragua,
am Freitag, den 08.08.2014, startete das große Abenteuer für mich und 16 weitere Freiwillige im Frankfurter Flughafen. Der Abschied von meiner Familie, meinen Freunden und auch meinem Freund ist mir mehr als schwer gefallen – Zweifel und Emotionschaos, so ging´s in Frankfurt los.

ticket (<- „Eintrittskarten“ in die andere Welt )

Nach einem etwa 20 stündigen Flug, sind wir in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, angekommen. Dort  waren wir vier Tage lang zusammen in einer Jugendherberge untergebracht, wo wir Informationen über das Land, dessen Sitten und Kultur erhalten haben. Am Dienstag war es dann so weit, dass wir in unsere Einsatzorte untergebracht wurden. Eine Freiwillige und ich sind in der kleinen Hafenstadt Corinto tätig. Corinto ist eine sehr heiße Halbinsel mit ca. 17000 Einwohnern.

Blick  (<- naja, irdendwie „Odenwaldo“)

Die Menschen, mit denen man sich unterhält, sind sehr offen, gastfreundlich und interessiert, allerdings sehen die Einwohner Nicaraguas nicht all zu oft „Weiße“, deshalb kann man durch keine Straße laufen, ohne dass einem nachgepfiffen wird oder irgendwas hinterher gerufen wird. Touristen gibt es hier so gut wie gar keine, da Nicaragua nach Haiti das ärmste Land Lateinamerikas ist. Meine Gastfamilie ist ganz nett, jedoch ist mein Spanisch wesentlich schlechter als erwartet. Die Menschen hier haben einen ganz anderen Akzent, so dass ich so gut wie nichts verstehe. Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie es ist, wenn man sich nicht ausdrücken kann und nicht versteht, was einem gesagt wird. Die Sprachbarriere ist noch sehr hoch.
Die Hygienebedingungen in meinem neuen „Zuhause“ sind dafür überraschend gut. Ich hätte mit Kackerlacken gerechnet und wurde sogar auf Ratten im Haus vorbereitet. Gott sei Dank ist mir beides noch nicht über den Weg gelaufen. Wasser haben wir nur zu bestimmten Uhrzeiten, allerdings gibt es große Becken, in denen Wasser gesammelt wird, das man dann benutzen kann, wenn das Wasser aus der Leitung still gelegt ist. Waschen müssen wir natürlich mit der Hand, so etwas wie Waschmaschinen haben die Menschen hier nicht. Das ist zeitaufwendiger, aber nicht all zu dramatisch.
Zum Thema Arbeit kann ich noch gar nicht viel sagen, da ich bisher erst wenige Arbeitstage hatte. Zwei mal habe ich im comedor mitgeholfen. Im comedor bekommen Kinder, die aus ärmeren Familien stammen, ein warmes Mittagessen gestellt. Das Geld hierfür verdient sich die Organisation durch bestimmte Aktionen. Heute haben wir beispielsweise gebrauchte Kleidung auf der Straße verkauft. Das dadurch verdiente Geld wird komplett in Lebensmittel für den comedor investiert.
So, jetzt noch etwas ganz Wichtiges für mich persönlich: ganz herzlichen Dank an alle Spender und Unterstützer, an die Jugendlichen und MitarbeiterInnen im St. Josephshaus und an die Menschen in „Zimmern“ und Dieburg, die an mich denken und mir den Rücken stärken.
Bald mehr von mir – liebe Grüße
Alexandra Held